Fünf weibliche Führungskräfte im Gesundheitswesen berichten von ihren Karrierewegen: #1 Kerstin Ganskopf

„Ich glaube mehr an meine eigene Kraft als an Quotenregelungen“

Kritische Situationen bereiten Kerstin Ganskopf, Geschäftsführerin des Friedrich-Ebert-Krankenhauses Neumünster, keine schlaflosen Nächte. Doch ihre Sicherheit in neuen Positionen musste sie sich jedes Mal aufs Neue erkämpfen.

Was waren rückblickend die wichtigsten Ereignisse und Entscheidungen für Ihre berufliche Karriere? 

Bezeichnenderweise war die Geburt meines ältesten Sohnes während meines Referendariats auch beruflich ein wegweisendes Ereignis. Denn es bedeutete, auf relativ verlässliche Arbeitszeiten zu setzen und in der Konzernzentrale eines Krankenhausträgers zu arbeiten. Erst als Assistentin der Geschäftsführung, dann als Justiziarin. Die Erfahrungen in dieser Zeit – mit einem Chef, der sich immer auch als Mentor für meine berufliche Karriere verstanden hat – waren menschlich und fachlich prägend für alles Weitere.

Was waren die größten Hindernisse auf dem Weg in eine Führungsposition und wie haben Sie diese überwunden? 

Das größte Hindernis war und bin immer nur ich. Das Selbstvertrauen zu entwickeln, dass man für eine Führungsposition benötigt, war mir nicht in die Wiege gelegt. Vielleicht ist das auch etwas typisch Weibliches: Erst einmal daran zu zweifeln, dass man eine Aufgabe gut erfüllen kann. Es ging für mich immer nur um Verantwortung, nie um Macht oder Karriere.
Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mir ist es daher wichtig, mir eine neue Position erst einmal zu erarbeiten, Erfolge zu haben und Leistung zu zeigen, bevor ich mich wirklich sicher fühle. Glücklicherweise ist es immer so gekommen.

Überwunden habe ich dieses Denken eigentlich nie. Doch aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in Führungspositionen kann ich auf positive Erfahrungen zurückgreifen und bin mir sicher, dass ich mein „Handwerkszeug“ im Krankenhausmanagement beherrsche.

Welche persönlichen Stärken haben Ihnen auf dem Weg nach oben geholfen? 

Meine persönlichen Stärken beruhen auf zwei Eckpfeilern: Haltung und Gelassenheit.

Ich habe keine Angst, Verantwortung zu übernehmen. Und es bereitet mir keine schlaflosen Nächte, wenn es kritische und zunächst unlösbar scheinende Situationen oder Krisen – wie jetzt in der Pandemie – gibt. Im Gegenteil, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen gemeinsam Lösungen zu finden und zu gestalten und so der Verantwortung bestmöglich gerecht zu werden, erfüllt mich nach wie vor.

Wir haben zum Beispiel bereits im November aufgrund unserer klaren Haltung zu kollektiver Verantwortung gegenüber unseren Patienten die Entscheidung getroffen, nicht immunisierte Mitarbeitende nicht mehr am Patienten einzusetzen –  trotz ungeklärter Rechtslage zur Umsetzung der Impfpflicht und obwohl wir dadurch auf den Stationen zusätzliche Personalausfälle kompensieren mussten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dies von unseren Mitarbeitern getragen wurde und nicht zu einem Kollaps führte.

Was müsste sich Ihrer Ansicht nach in der Arbeitswelt grundsätzlich ändern, damit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen? 

Es ist in erster Linie ein sehr langer gesellschaftlicher Prozess der Anerkennung von Frauen in Führungspositionen. Konkret beeinflussen können wir Frauen das in erster Linie selbst. Einfach mehr für sich einfordern, mutiger sein und nie ganz den Faden in der beruflichen Karriere abreißen lassen. Auch ein minimaler Stundenanteil, der mit der Familie vereinbar ist, reicht oft schon aus. Ich glaube außerdem sehr viel mehr an die Kraft, die aus uns kommt, als an gesetzliche Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Quotenregelungen.

Was würden Sie definitiv anders machen angesichts Ihrer Erfahrungen?

Nichts! Es gab auch sehr unschöne Erfahrungen, aber alles hat mich da hingeführt, wo ich gerade bin. Und meine Arbeit in Neumünster ist einfach mit so viel Gestaltungsspielraum, Entwicklungspotential und wunderbaren Kolleginnen und Kollegen verbunden, dass ich dankbar bin, hier an dieser wichtigen Stellschraube mitwirken zu dürfen.

Kerstin Ganskopf ist Geschäftsführerin des Friedrich-Ebert-Krankenhauses Neumünster. Zuvor war die Juristin langjährige Geschäftsführerin des Sankt Elisabeth Krankenhaus in Eutin. Ehrenamtlich ist sie seit Jahren Vorsitzende des Verbandes der Krankenhausdirektoren Schleswig-Holstein und Hamburg.